Die ersten Tage ziehen ins Land

Am 3. Juli 2026 erreichen wir staufrei und ohne weitere Hindernisse den Campingplatz am Staffelsee. Kaum ist alles halbwegs aufgebaut und verstaut, zieht es die Kinder auch schon an den See. Ein kurzer Fußweg von knapp fünf Minuten – mit dem SUP unter’m Arm fühlt es sich länger an – trennt uns vom erfrischend klaren Wasser. Sehr weit kann man hier hinein laufen auf steinigem, sehr lehmhaltigen Boden. Eine ältere Dame erklärt uns, es sei „das gesündeste Wasser hier in der Gegend“, weil es ein „Moorwasser“ sei und der Lehmboden dafür sorge, dass es „weich und heilsam“ sei. Tatsächlich stellen wir jedoch fest, dass man hier ohne Schwimmschuhe nicht weit kommt.

Nach dem Sonntagsfrühstück trennten sich die Familienwege kurzzeitig: der Große wollte mal allein an den See, wir anderen drei spazierten einen Pfad am Campingplatz entlang, wollten mal schauen, wohin der führt. Letztendlich wurde eine knapp 5 km lange Runde daraus, die uns über einen traumhaft schönen Panoramaweg entlang des Staffelsees, vorbei an Kuhweiden und alten Bäumen über weite Wiesen wieder an die Ortsgrenze zu Uffing führte. Kaum am Uffinger Sportplatz vorbei passieren wir den Klaus-Bahlsen-Steg, von dem wir vor der Abreise in der Online-Ortszeitung Hoagart gelesen haben. Da fühlt man sich doch gleich viel näher mit dem Ort verbunden. Es ist übrigens sehr empfehlenswert, Tageszeitungen und Homepages der Ortschaften vorher zu studieren und ein paar aktuelle Informationen – oder auch ältere Beiträge – zu lesen. So haben wir herausgefunden, dass hier in der kommenden Woche ein Seefest stattfindet. Bei unserem gestrigen SUP-Ausflug zum See bestätigt uns dann eine Ortsansässige Dauercamperin, dass das Fest ein „ganz ein tolles Spektakel“ sei und wir „unbedingt da hin“ müssten. Es wäre ein ganz bayerisches Volksfest, mit Tänzen, guten Speisen und Getränken und viel Gaudi für die Familie. Und da es vom Campingplatz aus fußläufig nur etwa 25 Minuten entfernt ist, wäre es erst Recht zu empfehlen.

Blick vom Wank-Rundweg in die Alpen

Besagte Dame empfiehlt uns außerdem, unbedingt auf den Wank zu fahren. „Auf’n Wank misster hoch, do is schee!“ und da sie das mit einer solchen Begeisterung erzählt kommen wir nicht umhin, gleich am nächsten Morgen – mittlerweile schreiben wir Dienstag, den 7. Juli 2026 – zur Tat zu schreiten. Wir packen unseren Wanderrucksack und machen uns gleich nach dem Frühstück auf den Weg.

1.749 m – das Gipfelkreuz steht auf einem Nebengipfel des Wank und erreichen es bei unserem Höhenrundweg

Der Wank scheint wirklich ein kleiner Geheimtipp zu sein. Der Parkplatz ist relativ leer, obwohl wir erst kurz vor Mittag dort erscheinen. Wir kaufen uns ein Bergbahn-Ticket (gleich ein Kombiticket, da wir auch noch auf die Zugspitze wollen – so sparen wir viel Geld) und aufwärts geht’s. Wie empfohlen wandern wir, oben angekommen, den Rundweg, der eher wie eine acht auf der Karte aussieht. Bei der Hälfte der gewanderten „Acht“ kehren wir im Wankhaus ein, das nicht nur Gasthaus, sondern auch Unterkunft für Wanderer und Bergsteiger ist. Nach einem leckeren Mittagspäuschen setzen wir unsere kleine Wanderung auf die andere Seite fort und genießen die verschiedenen, abwechslungsreichen und magischen Ausblicke in die Alpen und das davor liegende Alpenvorland. Mit der Zeit wird der Wind immer stärker und die Wolken immer dichter. Schlägt das Wetter etwa um? Sicherheitshalber laufen wir etwas schneller, nicht dass die Bergbahn ihren Betrieb einstellt bevor wir mit ihr nach unten fahren können.

Wir blicken vom Ameisberg ins Tal und genießen die Farbspiele, die die Wolken auf den Berghängen hinterlassen.

Wir erreichen die Bahn zur rechten Zeit und genießen noch einmal den fantastischen Ausblick während der fast zwanzigminütigen Abfahrt.

Blick vom Wank auf Garmisch-Partenkirchen und die Zugspitze, links im Bild.
Die Fahrt von fast 20 Minuten lädt zur Fernsicht und zum Durchatmen ein.

8. und 9. Juli 2026

Das Wetter am 8. Juli 2026 ist genau richtig für einen Spaziergang ins Dorf. Wir brauchen – schon wieder – frische Lebensmittel und so schnallen wir uns die Rucksäcke auf, ziehen die Wanderschuhe an und tun es den Einwohnern des Aichalehof von damals gleich, indem wir zu Fuß etwa 45 Minuten nach Uffing spazieren. Vorbei am Staffelsee die Birkenallee entlang, durch den Ort mit seinen malerischen balkonierten Häusern und prächtigen Blumenwiesen, auf denen die Kühe grasen.

So haben wir – nach dem Rückweg – schon am Vormittag eine entspannte Wanderung von knapp fünf Kilometern hinter uns und freuen uns, dass die Sonne heute gnädig hinter den Wolken versteckt geblieben ist.

Dennoch geht es täglich an den See, immer mit dem SUP und immer mit den Badeschuhen, damit wir uns nicht mal die Füße an den Steinen aufschneiden. Es ist so entspannt hier auf der Liegewiese. Kaum ein Mensch ist hier neben uns und die Dauercamper scheinen auch nicht alle da zu sein.

Doch statt immer nur auf die Berge zu schauen wollen wir am 9. Juli 2026 auch mal auf die Berge gehen. Gleich den höchsten Berg Deutschlands haben wir uns vorgenommen: die Zugspitze! Da wir am Vorabend in unserem „Freiluftkino“ eine Sonderfolge der „Sendung mit der Maus“ schauten, in der Armin Maiwald von seiner Kindheit in Uffing und am Staffelsee berichtet, wollen wir – wie er damals – mit der Zahnradbahn auf die Zugspitze und mit der Seilbahn wieder nach unten.

Bahnhof am Eibsee für die Zahnradbahn der Zugspitze

Der Parkplatz am Eibsee ist brechend voll, dennoch sind wir (fast) die Einzigen in der Zahnradbahn auf den Gipfel. Mit uns wagen nur noch zwei weitere Besucher die Fahrt nach oben und so genießen wir diese „Premiumfahrt“ auf verschiedenen Sitzplätzen und immer der besten Aussicht. Oben auf dem Zugspitzplatt angekommen erkunden wir zunächst das Plateau, den Gletscher und probieren Klettersteige „für Kinder“ aus, die man hier in den Stein gehauen hat, bevor wir endlich mit der Gletscherbahn dann auf den Gipfel der Zugspitze fahren.

Nicht die U-Bahn in Berlin, sondern die Zahnradbahn der Zugspitze: (fast) allein haben wir freie Platzwahl.
Das Zugspitzplatt – Blick auf den Gletscher

Oben angekommen sehen wir nicht viel – die Wolken versperren uns ein wenig die Sicht. Wir staunen über die baulichen Konstruktionen, die man hier für die Touristen erschaffen hat. Es fühlt sich nicht an wie auf dem höchsten Gipfel Deutschlands – und das scheinen auch einige – in unseren Augen leichtsinnige – Touristen zu vergessen, als sie ohne weitere Ausrüstung und mit waghalsigen Selfie-Posen noch die letzten Meter zum goldenen Gipfelkreuz erklimmen. Ihnen kommen Bergsteiger in voller Ausrüstung entgegen, die sicherlich den Berg in Gänze bezwungen haben. Von Herzen gönnen wir ihnen das Gipfelfoto, auch, wenn es so aussieht wie die „Menschenketten“, die man von Bildern des Mount Everest kennt.

Blick zum goldenen Gipfelkreuz, ganz in den Wolken verhangen. Es ist viel los auf dem Gipfel.
Ab und zu ziehen die Wolken weiter und der Blick wird frei nach unten und in die Ferne.
Solche Bilder kennt man doch sonst nur vom Mount Everest – Wahnsinn dieser „Verkehr“ zum Gipfelkreuz. Wir klettern dieses letzte Stück nicht. Die alpinen Gefahren sind uns zu bewusst, unsere (unvollständige) Ausrüstung nicht sicher.

Wir verbringen erstaunliche drei Stunden in der Höhenluft, gönnen uns noch Croissant und Brezel mit eigens mitgebrachter Verpflegung. Auf die Seite der Österreicher zieht es uns ebenfalls rüber und wir staunen, dass hier viel weniger Menschen sind als auf der Deutschen Seite. Die Wolken ziehen immer wieder auf. So ergattern wir Blicke in die Ferne und auf den weit unter uns liegenden, strahlend blauen Eibsee.

Die Seilbahnfahrt nach unten ist dann am Ende weniger spektakulär als erwartet – aber wenn man mit 120 Menschen in einer Gondel steht, fühlt es sich auch eher an wie Busfahren. Einziges Highlight ist der Glasboden in der Mitte der Gondel, der einen interessanten Abfahrtsblick gewährt.

Am Abend werden wir wieder mit einem wunderbaren Alpenglühen belohnt! Schon jetzt hat sich die Wahl des Campingplatzes mehr als gelohnt!


10. bis 15. Juli 2026 – Im Wechsel der „Gezeiten“ oder: Wir passen uns an.

Das Wetter in den Bergen überrascht und fast stündlich aufs Neue: zwischen wogender Hitze, glimmendem Dunst, prasselndem Regen, auffrischenden Windböen und Sirenen, die ein Unwetter ankündigen versuchen wir unseren Tagesablauf und -plan um diesen Wetterwechsel zu strukturieren. Als wir es vor lähmender Hitze kaum aushalten, fahren wir zur Leutascher Geisterklamm bei Mittenwald, ganz an den letzten Zipfel Deutschlands. Doch der Aufstieg auf den Höhenweg, der ganz aus Metallgittern besteht, die in den Berg gehauen sind, ist schweißtreibend. Die Aussicht dafür lohnenswert. Der etwa 4 km lange Rundweg führt uns über tiefe Schluchten, strahlend blaues, reißendes Wasser und durch einen grünen, schattigen Mischwald aus Rotbuchen, Kiefern, Fichten und Ahorn. Erst der etwa 250 m lange Pfad zum Wasserfall, den man nur mit einem extra Eintritt betreten kann, erfahren wir die lang ersehnte Erfrischung! Schlagartig ist es kühl, fast schon zu kalt, und die Gischt des Wasserfalls sorgt für eine zusätzliche Abkühlung.

Blick in die Leutascher Geisterklamm zum erfrischenden, tosenden Wasserfall.
Nur zwei von uns vieren trauen sich mutig auf die hohe Brücke über der Klamm.
Die Geisterklamm ist malerisch schön, wenn auch eine Herausforderung für alle, die mit der Höhe zu kämpfen haben.

In Mittenwald stärken wir uns anschließend noch und bewundern die schöne Innenstadt mit ihren bunt bemalten Häusern und dem kleinen Flüsschen, was durch die Fußgängerzone mäandert.

Die Mittenwalder Kirche.
Blick über die Mittenwalder Wiesen zum Karwendel.

Den Sonntag verbringen wir in Lenggries bei Bekannten. Was gibt es besser, als an einem heißen Sommertag mit lieben Menschen im Naturfreibad zu liegen (übrigens ein absoluter Geheimtipp: wer in Lenggries urlaubt, sollte das Naturfreibad unbedingt besuchen, da es nicht nur günstig, sondern auch wunderschön gelegen ist – mit Blick auf den Brauneck gegenüber, wo die Paraglider ihre Bahnen ziehen). Mit einem deftigen und leckeren Abendessen vom Grill lassen wir den Sonntag der ersten Woche gemeinsam ausklingen.

Montag ist Schontag. Wir lesen, spielen, malen und vertreiben uns später am und im Staffelsee die Zeit. Das SUP kommt auch heute aufs Wasser. An diesem malerischen Anblick von Wasser, Wald und Berggipfeln im Hintergrund können wir uns gar nicht satt sehen. Entspannt auf dem SUP dahinzugleiten und sich mit den sachten Wellen treiben zu lassen entspannt uns zutiefst! Der Tag ist schneller um als uns lieb ist und endet mit Regen und leichtem Donnergrollen.

Der Dienstag beginnt mit heftigem Regen und zwingt uns bis zur Mittagszeit im Camper zu bleiben. Als die Gewitterfront vorüber ist, treibt es uns noch einmal in die Stadt. Unsere Bücher sind fast alle ausgelesen, wir brauchen Nachschub und die kostenlosen Bücher auf dem Campingplatz bieten nicht den Lesestoff, den wir uns wünschen. So fahren wir – diesmal nur zu dritt – nach Murnau zu einem kleinen Einkaufsbummel. Die Innenstadt, der Obermarkt, ist wirklich lieblich anzusehen: viele kleine Gassen, liebenswerte kleine Lädchen, einladende und teils schon gut besetzte Cafés und Restaurants säumen unseren Weg. Wir werden in den beiden Buchläden der Murnauer Innenstadt fündig und bringen unsere neuen Leseschätze – und andere Errungenschaften – in strahlendem Sonnenschein nach Hause. Doch wir sind uns sicher, hier noch einmal zu viert her zu fahren, da es noch so viel zu entdecken gibt.

Der Obermarkt in Murnau.
Zum Verlieben dieser Blick auf dem Murnauer Obermarkt.

Doch die nächste Nacht bietet uns erneut mehr Regen, Blitze und Donner als Schlaf und so schaffen wir es, den ersten Langschlafrekord des Sommerurlaubs aufzustellen. Das Wetter verspricht viel Abwechslung und wenig Beständigkeit. Warten wir also ab, was uns die nächsten Tag noch so bringen und wie oft wir die Sirene aus dem Dorf, die uns das nächste Unwetter ankündigt, wohl noch hören werden.

Die Gewitterfront naht – die Berggipfel sind schon fast nicht mehr zu sehen.

16. Juli 2026

„Schon wieder ein Freilichtmuseum? Haben wir da nicht schon genug gesehen?“ – Nein. Denn überall da, wo man ist und ein solches Museum aufsucht, taucht man für ein paar Stunden ein in die alte Zeit des Landstriches, in dem man sich befindet. Wandelt auf alten Holzdielen in eine altertümliche Schatztruhe aus Erinnerungen, originalen Fundstücken und spannenden Geschichten.

Heute ging es deshalb in das Freilichtmuseum Glentleiten. Vom Campingplatz aus fahren wir nur knapp 30 Minuten und endlich auch einmal in eine andere Richtung von Murnau. Als wir ankommen erwarten wir noch lange nicht, dass wir nach fünfeinhalb Stunden noch die letzten Häuser „links liegen lassen“, weil wir einfach nicht mehr aufnahmefähig und total erschöpft sind.

Das Freilichtmuseum ist nach einzelnen Themenbereichen angelegt. Für manche kann man sich auch eine App laden (Actionbound) und damit ein kleines Online-Quiz starten, ähnlich einer kleinen Schnitzeljagd. Wir laden uns das Quiz für den Bereich der Almen, der uns von einer Almhütte zur nächsten, über eine Kuhweide und in dunkle Räume führt. Neben friedlich wiederkäuenden Kühen laufen wir auch einer hübschen Hauskatze über den Weg, begegnen vielem Federvieh und faulen Alpenschweinen, die im Schatten liegen. Für kleine und auch große Kinder ist dieses Museum wirklich ideal angelegt. Es gibt nicht nur in jedem Haus zu entdecken wie die ehemals darin wohnende Familie lebte, es gibt auch tolle Spielmöglichkeiten und sogar ein ganzes Berghaus, das nur dem Entdeckersinn der Kinder gewidmet ist. Bei richtiger Lösung darf man am Ende einen echten Tresor öffnen, der in der Wand versteckt ist, und sich seine Belohnung abholen. Das hat auch der Mama Spaß gemacht.

Der Tresor in der Wand lässt sich nur mit der richtigen Farbkombination öffnen.

Mit einem Museumsmitarbeiter kommen wir kurz ins Gespräch als wir die zahlreichen und üppig blühenden Fuchsien vor einem Hauseingang entdecken. Richtige Stämme stehen links und rechts am Eingang und er berichtet uns, dass der Gärtner des Museums diese mitgebracht habe und wie einen Schatz hüte und pflege. Unser Opapa hätte sich vor Faszination ebensowenig abwenden können von diesen Blütenschönheiten wie wir. Der Mitarbeiter, der eigentlich gerade in den Häusern alle Pflanzen gießen wollte, führte uns dann noch in einem Teil des Hauses herum und zeigte uns, wie alles entstand und die damaligen Bewohner sogar heißes Wasser „aus der Wand“ bekamen – in der Zeit sehr ungewöhnlich und für ein Bauernhaus schon sehr fortschrittlich. Einige Einrichtungsgegenstände erinnern uns an unsere eigenen Ur-Großeltern und die Zeit im Elternhaus im Thüringischen Altenburger Land.

Gegen 15 Uhr verspüren alle einen leichten Hunger – das Frühstück liegt schließlich auch schon etwa fünf Stunden zurück. Wir kehren im sogenannten „Kramerladen“ ein und können uns gar nicht entscheiden, welches dieser leckeren Gerichte wir probieren wollen: zweimal Gulaschsuppe, einmal Spätzle mit Soße und eine Scheibe Bauernbrot mit Griebenschmalz dazu eine riesige Essiggurke, werden genüsslich im Schatten unter dem Giebel des Kramerladens verputzt. Auch die süßen, handgefertigten Spezialitäten reizen uns und so teilen wir uns als Nachtisch noch einen „Gerupften“ (schmeckt wie ein Pfannkuchen/Berliner nur ohne Marmeladenfüllung und in Donut-Form) und „Scheiterhaufen mit Vanillesoße“ – eine sündhaft leckere, warme Speise, die unsere Mägen förmlich „platzen“ lässt und der Trägheit Einzug gewährt.

„Scheiterhaufen mit warmer Vanillesoße“ – eine sündige und sehr leckere Süßspeise

Das Museum verläuft sich immer weiter: ob Bachläufe – die verschiedene, vom Mühlrad angetriebene Gewerke verbinden -, einer alten Tankstelle aus den 1960er Jahren oder alten Handwerksbetrieben, die mit kleinen Filmen oder auch echten Menschen (wie in der Töpferei) über die alte Tradition berichten, wir alle kommen auf unsere Kosten.

Entgegen des Wetterberichtes bleibt der Regen am Nachmittag auch aus und so treten wir erst gegen 16:30 Uhr unseren Rückweg an, nicht mehr fähig die vielen Infografiken zu lesen, die noch nicht besichtigten Häuser zu betreten und die vielen Wege hangauf- und hangabwärts zu gehen. Nach unserer Rückkehr auf den Campingplatz erfrischen wir uns daher schleunigst im Staffelsee und mit einem leckeren Eis.

Vor wenigen Minuten heult die Sirene erneut auf – ein Gewitter aus dem Süden kündigt sich also an. Wir sichern alles am und im Wohnwagen. Man weiß hier nie, was kommt und wollen uns lieber vor möglichen Schäden bewahren. Blitze und Donnergrollen haben wir seit dem Sirenenton so viele gehabt, dass wir sie schon gar nicht mehr zählen. Hoffen wir auf eine ruhige und leise Nacht für alle.


17. und 18. Juli 2026

Das Wochenende läuten wir am Freitag mit einem schönen Strandtag ein. Die Sonne heizt schnell den von dem Nachtregen noch nassen Boden auf und es fühlt sich schnell an wie in einem tropischen Pflanzenhaus. So ist es kein Wunder, dass es uns ans Wasser zieht: die Strandtasche ist schnell gepackt und das SUP tragen wir mittlerweile fast mühelos über die Wege zum Wasser. Am See suchen wir uns ein schattiges Plätzchen, breiten unsere Decke aus, leeren unsere Strandtasche (heute haben wir allerhand zur Beschäftigung dabei) und gehen erstmal aufs Board. Es ist heut recht windig und die Wellen höher als die letzten Tage, dennoch schaffen wir es und können nicht nur die Haubentaucher beobachten, die ihrem Küken beibringen unter Wasser zu tauchen, sondern auch die Blesshühner und Unterwasser-Pflanzen. Wenn wir nicht auf oder im Staffelsee sind, lesen oder malen wir – dieses Mal mit Wasser aus dem Staffelsee.

Der Samstag verspricht ein langes, wolken- und regenfreies Zeitfenster und so wagen wir es und fahren in das nur wenige Kilometer entfernte Murnauer Moos. Uns haben die Fotos im Internet begeistert, es sah aus wie die Landschaften in Schweden und so mussten wir natürlich selbst herausfinden, ob es tatsächlich so ist.

Der Bohlensteg durch das Moor.
Ein Blick wie ins Schwedische Fjäll.

Als eingefleischte Schwedenfans und -kenner können wir zu 100% bestätigen: wer Schweden-Feeling sucht, sollte ins Murnauer Moos kommen! Der Wanderweg startet zwischen Wiesen mit verschiedensten Blumen und unendlich viel Mädesüß, führt uns in einen bemoosten Mischwald, in dem wir vereinzelt schon Blaubeerbüsche und Preiselbeerbüsche entdecken. Doch je weiter der Weg führt, umso „schwedischer“ wird es: der Wald wird dichter, die Blaubeer- und Preiselbeerbüsche bedecken fast den gesamten Waldboden. Das Highlight ist der Bohlensteg (ein Weg aus Holzbrettern), der durch das Moor führt, gesäumt von rosa blühendem Heidekraut, üppig bewachsenen Blau- und Rauschbeeren (Achtung! Verwechslungsgefahr.), niedrig gewachsenen Kiefern, schlanken Birken und wilden Gräsern. Und hier sehen wir zum ersten Mal auch die Blüten von Gräsern: klein, zart, tief rosa. Erstaunlich, was es hier alles zu erblicken gibt.

Wiesen voll mit Mädesüß und anderen vielfältigen Gräsern und Blumen vor einem bezaubernd schönen Hintergrund.

Kaum aus dem Wald herausgetreten eröffnet sich uns die Wiesenlandschaft vor einem gewittrigen Bergpanorama in den tiefsten Blau- und Grautönen. Fasziniert schauen wir uns die Wolken an, die nicht nur immer dunkler werden, sondern sich vereinzelt immer höher auftürmen und in den Bergen schon den ersten Regen vermuten lassen. Der Wind frischt auf und lässt das Schilfgras rascheln. Unsere Schritte werden schneller, denn der Weg scheint noch lang und die Gewitterwolken immer näher. Letztendendes zieht sich unsere Wanderung in die Länge, entlang am Lindenbach, den hier und da der Bieber aufgestaut hat, dem jedoch reichlich Wasser fehlt. Vorbei an Nasswiesen, die vielen verschiedenen Pflanzen und Tieren Lebensraum bieten und aktuell aufgrund der Wiesenbrüter nicht gemäht wird. Sie wechseln sich ab mit Hoch- und Übergangsmooren, die – wie wir lernen – zu den nährstoffärmsten Lebensräumen der Erde gehören. Hier hat man früher Torf abgebaut. Das letzte Stück Weg führt uns vorbei an einer ehemaligen Deponie, deren Abfall man beseitigt und sie zu einem Moorteich hat werden lassen. Ein Stück wiedergewonnene Natur.

Mit Neugier und ein bisschen Sorge staunen wir über das sich aufbauende Gewitter über den Bergen.
Wieder vernässtes Moor.
Ein Kaisermantel auf Wasserdost.

Die letzten Kilometer ziehen sich an der Straße entlang, schwerfällig und erschöpft geht es stetig bergauf und das Ziel (unser Auto am Wanderparkplatz am Bahnhof Grafenaschau) fühlt sich immer weiter weg an. Doch wir schaffen es nach insgesamt fast neun Kilometern Wanderung und kommen pünktlich vor dem nun auch bei uns einsetzenden Regen auf dem Campingplatz an.

Dieser Tag hat uns heute wirklich in die Schwedische Natur entführt mit all ihrer Schönheit, mitten in Deutschland. Eine absolute Empfehlung für jeden, der dieses Gefühl nach Skandinavien in sich erwecken möchte.


19. bis 22. Juli 2026

Wieder ganz auf das Wetter abgestimmt verlaufen auch die ersten Tage der letzten begonnen Urlaubswoche, die wir zunächst mit einem verregneten Sonntag einläuten. Ist doch perfekt für ein kurzes Kino-Abenteuer im Murnauer Kino, das – und das wussten wir vorher noch nicht – neben original urtümlichen Abreißkarten, einem Bullaugenfenster und duftendem Popcorn (aus Bayrischem Mais) auch nur über einen einzigen Kinosaal verfügt. Achtung an alle, die es uns gleich tun wollen: im Kino im Griesbräu kann man leider ausschließlich bar zahlen. Gemeinsam haben wir uns, mit reichlich Popcorn, Tacos und Getränken ausgestattet, den neuen Film „Minions & Monsters“ angeschaut und unsere Lachmuskeln trainiert.

Abreißkarten wie in alten Zeiten. Ohne Filmtitel, da eh immer nur ein Film läuft. So kommt das Kino auf maximal drei Filme am Tag und ist etwas ganz Besonderes, wie wir finden.

Nach dem Kino wollte die Sonne noch mal zeigen, was sie so drauf hat. Eine kurze Abendrunde im See musste daher noch sein. Montag sollte dann ebenfalls aufgrund des sonnig gebliebenen Wetters ein Seetag werden. Gleichzeitig haben wir auch mal ein wenig Wäsche gewaschen, Federball und Karten gespielt. Letzendendes ist es ein Bilderbuch-Campertag geworden.

Schon um 07:30 Uhr heißt es am Dienstag dann „raus aus den Betten“: heute steht München auf dem Programm und da wir bis dorthin – exklusive des Berufs- und Baustellentreibens – eh schon gut 1,5 Stunden benötigen, sind wir lieber zeitig auf der Strecke. Wir beginnen unser München-Abenteuer im BMW-Museum. Die Richtung bestimmen nicht nur die großen Ziffern an den Wänden, sondern auch die vielen Menschen. Wir bewegen uns mit dem Strom. Interessant ist es jedoch für ALLE Familienmitglieder und nicht nur für die männlichen, auch wenn die weiblichen unter uns wenig Technikkenntnisse besitzen. Empfehlenswert ist das Museum allemal und nach zwei Stunden bekommen wir dann auch in der BMW-Welt gegenüber noch genügend Ledergeruch eingeatmet und glänzend polierte Lacke zu sehen.

Anschließend fahren wir mit der U-Bahn direkt in die Innenstadt, steigen am Sedlinger Tor wieder über die Erde und laufen einmal quer durch die Innenstadt von München. Unterwegs finden wir noch eine geeignete Einkehr und genießen erst einmal eine deftige Mahlzeit, sind wir doch von den letzten Stunden mittlerweile recht hungrig. Unser Bummel verspricht ein Schaufensterbummel zu bleiben, insbesondere in der Maximilianstraße, die wohl als Straße für die besonders teuren Läden, prunkvollen Autos und berühmte Personen bekannt ist, können wir unsere Augen kaum abwenden von dem, was da für (Un-)Summen angeboten wird. Interessant ist es dennoch. Die Stadt ist voll mit Menschen aus verschiedensten Ländern und wirkt dennoch – im Verglich zu anderen Großstädten, die wir bereits kennen – recht „nobel“ möchte man meinen. Nicht versnobt, nicht abgehoben, einfach schick und ansehnlich. Aufgeräumt und ruhig, trotz Verkehrschaos und Menschenmassen. Es ist schwierig, dieses Flair zu beschreiben, ohne sich hier selbst in Gefahr zu begeben, andere Städte schlechter zu reden, obwohl sie es nicht sind. Wir spüren jedoch die Besonderheit, die von dieser Stadt ausgeht. Ob es nun an den schicken Läden, den teuren Preisen, den historischen Gebäuden oder den Damen und Herren in Tracht liegt – wir können es nicht bestimmen.

Am Alois Dallmayr-Haus läuft uns das Wasser fast im Mund zusammen.

Am Abend werden dann die wirklich letzten Urlaubskarten verschickt und wir hoffen, dass alle gut ankommen. Wer dieses Mal von uns keine bekommen haben sollte und beim nächsten Mal unbedingt berücksichtigt werden mag, darf uns gern auch einen lieben Kommentar hinterlassen.

Die letzten Urlaubskarten aus diesem Sommerurlaub – dieses Mal haben wir wieder viele verschickt. Einfach, weil’s schön ist und sich doch jeder über eine bunte Karte im Briefkasten freut.

Trotz des langen und wirklich anstrengenden Tages in Bayerns Hauptstadt sollte es heute noch einmal einen langen Fußmarsch geben. Und wenn Mama sagt, sie will auf nen Berg, dann gehen wir eben auf nen Berg. Der Blomberg, um genau zu sein, der „Hausberg“ von Bad Tölz. Ab dem Parkplatz am Fuße des Berges führt eigentlich ein Sessellift nach oben – nicht jedoch für uns. Wir wählen den ziemlich steinigen und steilen Anstieg nach oben: Insgesamt über 600 Höhenmeter und insgesamt über 8 Kilometer sollen es am Ende werden. Einmal hoch zum Blomberghaus – Energie tanken beim letzten Kaiserschmarrn und den letzten Kässpätzle des Urlaubs -, geschwind noch zum Gipfelkreuz rüber, weil dieses nicht am Gasthaus steht, und dann wieder nach unten. Jedoch laufen wir hier nur bis zur Mittelstation des Sessellifts, da von hier eine Sommerrodelbahn von 1300 m nach unten auf uns wartet. Leider wird die geplante „rasante Abfahrt“ durch ein paar zaghafte „Bremser“ vor uns ein wenig getrübt, letztendlich macht es aber großen Spaß, die letzten Höhenmeter nach unten nicht noch laufen zu müssen. So findet unser Urlaub eigentlich schon heute einen tollen Abschluss, auch wenn uns noch der ganze morgige Tag bleibt. Doch den werden wir wohl am und auf unserem lieb gewonnen Staffelsee und mit dem Abbau unseres Zeltes verbringen.

Leere Sessellifte, denn wir laufen bis nach oben.
Einkehr im Blomberghaus auf über 1.200 m.
Blick vom Blomberghaus.
Auf dem (extra-)Weg zum Gipfelkreuz werden wir von friedlichen Kühen gegrüßt.
Endlich oben! Belohnung ist immer das Gipfelkreuz und ein Eintrag ins Gipfelbuch.